Was KIs über Ihre Firma erzählen · Folge 1
Verwechselt: Als KIs uns die Preise einer polnischen Firma zuschrieben
Bei der Analyse unserer eigenen Website mit zwölf KI-Modellen wurden wir mit Unternehmen ähnlichen Namens verwechselt. Ein Erfahrungsbericht mit Checkliste.
Wer AI-Visibility-Analysen anbietet, sollte die eigene Website zuerst prüfen. Genau das haben wir getan: Wir haben aivisible.ch mit denselben zwölf KI-Modellen gemessen, die wir auch für unsere Kundinnen und Kunden befragen. Das Ergebnis war lehrreich, und zwar nicht dort, wo wir es erwartet hatten.
Was wir gemessen haben
Technisch stand unsere Website gut da. Unser eigener AIR-Score, also die AI Readability auf einer Skala von 0 bis 100, lag bei 86 von 100. KI-Crawler können die Seiten abrufen, die Texte sind ohne JavaScript lesbar, strukturierte Daten und LLM-Datei sind vorhanden.
Spannend wurde es bei den Antworten der Modelle. Mehrere KIs beschrieben AIVISIBLE nicht als das, was wir sind, sondern vermischten uns mit anderen Unternehmen, die einen ähnlichen Namen tragen: mit aivisible.ai, mit aivisible.agency und in einem Fall mit einem Bezug zu Tallinn in Estland. Keines dieser Unternehmen hat etwas mit uns zu tun. Sie tragen schlicht einen ähnlichen Namen und sind in einem verwandten Themenfeld tätig.
Der Fall IBM Granite
Besonders deutlich wurde das in einem Test am 1. November 2026. IBM Granite antwortete auf die Frage nach AIVISIBLE mit einer Telefonnummer mit der Vorwahl +48, mit einer E-Mail-Adresse und mit Preisen in polnischen Zloty. Diese Angaben gehören zum polnischen Anbieter aivisible.pl, einem eigenständigen Unternehmen, mit dem wir nicht verbunden sind.
Für eine Leserin, die sich über uns informieren möchte, sah die Antwort plausibel aus. Sie war vollständig formuliert, nannte konkrete Kontaktdaten und konkrete Preise. Nur stimmte sie nicht. Wer dort angerufen oder geschrieben hätte, wäre bei einer anderen Firma gelandet. Und wer die Preise verglichen hätte, hätte mit Zahlen gerechnet, die nicht unsere sind.
Wichtig ist uns dabei: Die anderen Unternehmen haben nichts falsch gemacht. Sie betreiben ihre eigenen Angebote unter ihren eigenen Domains. Die Verwechslung entsteht nicht bei ihnen, sondern in den Modellen.
Warum KIs nach Namen verwechseln und nicht nach Domain
Für einen Menschen sind aivisible.ch und aivisible.pl offensichtlich zwei verschiedene Adressen. Für ein Sprachmodell ist das weniger klar. Modelle lernen aus grossen Textmengen, in denen Unternehmen vor allem über ihren Namen vorkommen, deutlich seltener über ihre vollständige Domain. Der Name AIVISIBLE steht im Training also für eine Mischung aus allem, was unter diesem Wort jemals geschrieben wurde.
Fragt man ein Modell nach einer Firma, setzt es aus diesen Fragmenten eine Antwort zusammen. Fehlt ein klares Signal, welches AIVISIBLE gemeint ist, greift es auf das zurück, was in seinen Daten am stärksten vertreten ist: eine Telefonnummer hier, eine Preisliste dort, ein Standort aus einem dritten Zusammenhang. Das Ergebnis wirkt stimmig, ist aber ein Mosaik aus verschiedenen Unternehmen.
Hinzu kommt: Viele Modelle suchen nicht live im Web. Sie antworten aus ihrem Trainingsstand. Selbst wenn die eigene Website alle Angaben korrekt enthält, heisst das nicht, dass jedes Modell sie kennt oder richtig zuordnet. Modelle mit Websuche können neue Informationen schneller aufnehmen, Modelle ohne Websuche erst mit einem neuen Trainingsstand.
Ähnliche Namen sind in der Geschäftswelt alltäglich. Gerade bei kurzen, beschreibenden Marken oder bei Namen, die in mehreren Ländern unter unterschiedlichen Domainendungen existieren, ist das Risiko einer Verwechslung hoch. Das betrifft nicht nur Technologiefirmen, sondern ebenso Handwerksbetriebe, Kanzleien oder Praxen mit verbreiteten Namen.
Was eine Verwechslung ein Unternehmen kostet
Eine falsche KI-Antwort ist kein reines Imageproblem. Sie hat praktische Folgen:
- Interessenten erhalten falsche Kontaktdaten und erreichen ein anderes Unternehmen.
- Falsche Preise in einer fremden Währung setzen Erwartungen, die mit dem eigenen Angebot nichts zu tun haben.
- Leistungen anderer Firmen werden einem zugeschrieben, oder die eigenen Leistungen fehlen ganz.
- Ein falscher Standort lässt ein Unternehmen für den eigenen Markt weniger relevant erscheinen, etwa wenn ein Anbieter aus dem DACH-Raum plötzlich im Baltikum verortet wird.
Das Tückische: Das Unternehmen selbst bemerkt davon meist nichts. Es gibt keine Fehlermeldung und keinen Hinweis. Die falsche Antwort erscheint im Chatfenster einer Interessentin und verschwindet wieder. Erkennbar wird das Problem erst, wenn man die Modelle gezielt befragt und die Antworten mit den eigenen Fakten vergleicht.
Was wir unternommen haben
Wir haben die Verwechslung nicht als Panne behandelt, sondern als Anlass, unsere eigenen Empfehlungen konsequent umzusetzen. Drei Massnahmen standen im Vordergrund.
Erstens ein Abgrenzungssatz. Im Impressum und in unserer LLM-Datei steht nun ausdrücklich: AIVISIBLE (aivisible.ch) ist nicht verbunden mit aivisible.ai, aivisible.agency oder aivisible.pl. Der Satz ist sachlich, nennt die Domains und lässt keinen Interpretationsspielraum. Er gibt Modellen und Suchsystemen ein klares Signal, dass es sich um verschiedene Unternehmen handelt.
Zweitens ein Faktenblock. Wir haben unsere Kernangaben an einer Stelle gebündelt: Name, Domain, Sitz in Altendorf in der Schweiz, E-Mail, Leistungen und Preise in Euro. Dieser Faktenblock dient doppelt. Er ist eine verlässliche Quelle für KI-Systeme, und er ist unsere Referenz, gegen die wir jede Modellantwort prüfen.
Drittens strukturierte Daten. Auf der Website beschreiben wir AIVISIBLE zusätzlich maschinenlesbar mit Schema.org-Angaben im JSON-LD-Format: Organisation, Adresse, Kontakt, Angebote. So stehen die richtigen Fakten nicht nur im Fliesstext, sondern in einer Form, die Maschinen eindeutig auswerten können.
Ob und wann einzelne Modelle diese Signale übernehmen, können wir nicht garantieren. Die Modelle werden von Dritten betrieben. Wir können aber dafür sorgen, dass die richtigen Informationen klar, konsistent und leicht auffindbar vorliegen, und wir messen regelmässig nach, ob sich die Antworten verändern.
Checkliste: So prüfen Sie Ihr eigenes Unternehmen
- Fragen Sie mehrere KI-Assistenten direkt nach Ihrem Unternehmen und notieren Sie, welche Kontaktdaten, Preise und Standorte genannt werden.
- Suchen Sie nach Unternehmen mit ähnlichem Namen, auch unter anderen Domainendungen und in anderen Ländern.
- Halten Sie Ihre Kernfakten in einem Faktenblock fest: Name, Domain, Adresse, Kontakt, Leistungen, Preise und Währung.
- Ergänzen Sie bei Verwechslungsgefahr einen sachlichen Abgrenzungssatz im Impressum und in Ihrer LLM-Datei.
- Hinterlegen Sie strukturierte Daten nach Schema.org, mindestens für Organisation, Adresse und Kontakt.
- Achten Sie darauf, dass dieselben Angaben überall identisch sind: Website, Branchenverzeichnisse, Profile.
- Wiederholen Sie die Prüfung in regelmässigen Abständen, denn Modelle und ihre Trainingsstände ändern sich.
Wie steht Ihr Unternehmen da?
Ob KI-Crawler Ihre Website lesen können und ob LLM-Datei und strukturierte Daten vorhanden sind, zeigt Ihnen unser kostenloser Quick-Check in wenigen Augenblicken. Er ist ein guter erster Schritt, um zu sehen, wo Sie stehen.
In der nächsten Folge dieser Reihe erklären wir, was GEO ist und warum ein gutes Google-Ranking allein nicht mehr reicht.